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Haben Sie schon von der Gehörlosenkultur gehört?

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Was ist Kultur überhaupt?

Bevor wir näher auf die Gehörlosenkultur eingehen, befassen wir uns mit dem Wort Kultur selbst. Viele denken dabei zuerst an Theater oder Konzertbesuche, an Gemälde oder Musik. Doch das Wort ist viel weitläufiger. Die beliebte Wissensplattform Wikipedia definiert es wie folgt: „Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt – im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur.“ Das bedeutet, dass alle Umgestaltungen von etwas Vorhandenem als Kultur zu sehen sind, egal ob dies in der Landwirtschaft, in der Technik oder bei der Essenszubereitung geschieht. Auch sozialen Gruppen kann eine bestimmte Kultur zugesprochen werden (vgl. Wikipedia).

So bilden zum Beispiel Personen mit der gleichen Religion oder den gleichen Essensgewohnheiten unterschiedliche Gesellschaftskulturen. Natürlich sind auch Sprache und Kultur sehr eng miteinander verknüpft. Gehörlose Menschen verwenden die Gebärdensprache. Und somit schließt sich der Kreis zum Begriff „Gehörlosenkultur“.

Was ist die Gebärdensprache?

Genauso wie Hörende sich mit der sogenannten Lautsprache unterhalten, nutzen gehörlose und schwerhörige Menschen die Gebärdensprache. Dabei handelt es sich um eine visuelle Sprache, bei der die Wörter mit der Hand gebildet werden. Der dazugehörige Gesichtsausdruck und auch die Mundbewegungen sind hierbei sehr wichtig. Alle Nutzer/innen der Gebärdensprache haben zudem eine sehr hohe Beobachtungsgabe, denn auch die Stellung der Augenbrauen, kleine Kopfbewegungen usw. sind beim Kommunizieren relevant. Namen, Eigennamen oder Fremdwörter werden mit Hilfe des Einhand-Fingeralphabets buchstabiert. Die Gebärdensprache ist seit 1. September 2005 offiziell als eigenständige Sprache in Österreich anerkannt.

Und was ist nun die Gehörlosenkultur?

Für nicht hörende Menschen ist es kein Problem gehörlos zu sein. Aber es ist ein Problem, dass der Großteil der Menschen mit Lautsprache kommuniziert und sich auch die Umgebung aus Lauten zusammensetzt. Dadurch werden sie stark ausgegrenzt oder gar isoliert. Gehörlose Menschen müssen ihr Leben und ihren Alltag somit anders organisieren, denn sie haben natürlich die gleichen Bedürfnisse wie alle anderen auch. Viele suchen daher oft die Nähe zu anderen gehörlosen Menschen. Sie sind Teil der Gehörenlosenkultur, deren wesentlichstes Merkmal die Gebärdensprache ist. Aber auch viele weitere Aktivitäten, die sich teilweise stark von jenen der Hörenden unterscheiden, zählen zu dieser Kultur. Neben Sportvereinen gibt es zum Beispiel auch Medien, die sich speziell an gehörlose und schwerhörige Menschen wenden. Auch Gebärdensprach-Theater und Gebärdensprach-Festivals sind entstanden. Und – für viele Hörende überraschend – spielt auch die Musik eine große Rolle. Die Musik und ihr Rhythmus werden durch starke Vibrationen, vor allem durch Bässe, wahrgenommen.

Die Gehörlosen-Gemeinschaft hat auch bestimmte Verhaltensmuster entwickelt. So werden beispielsweise alle mit „Du“ angesprochen. Die Höflichkeitsform „Sie“ gibt es nicht. Der gegenseitige Respekt wird durch die Körpersprache vermittelt. Dem Gegenüber muss dabei volle Aufmerksamkeit geschenkt werden, da Mimik und Gestik eine große Rolle spielen. Zuhören und nebenbei auf ein Smartphone blicken funktioniert zum Beispiel gar nicht.

Spezielle technische Gegenstände wie ein Licht- oder Vibrationswecker, das Schreibtelefon usw. sind Alltagsgegenstände für gehörlose und schwerhörige Menschen. All dies und noch viel mehr zählt zur Gehörlosenkultur.

Wie ist die Gehörlosenkultur entstanden?

Die Etablierung der Gehörlosenkultur war mit sehr viel Arbeit und Ausdauer verbunden. Sehr lange wurde die Gebärdensprache nicht weitläufig akzeptiert. Aufgrund der Ausgrenzung durch die fehlende Kommunikation mit den Hörenden, schufen sich gehörlose und schwerhörige Menschen ein eigenes Netzwerk, in dem sie unkompliziert miteinander reden können. So ist es nicht erstaunlich, dass in fast allen Ländern die ersten Behindertenvereine durch diese Netzwerke gegründet wurden. Viele weitere Aktivitäten wurden und werden noch immer von der Gehörenlosen-Gemeinschaft entwickelt und gelebt.

Die Gehörlosenkultur ist weltweit vernetzt, aber dennoch in jedem Land unterschiedlich. Denn auch hier spielen natürlich andere Kulturen eine Rolle. Denken Sie beispielsweise an die oben erwähnten Essensgewohnheiten. Und auch die Gebärdensprache selbst unterscheidet sich von Land zu Land. Weltweit gibt es einen unterschiedlichen Wortschatz und auch regionale Dialekte – wie bei jeder anderen Sprache auch.

Gebärdensprache kann man lernen

Die Gebärdensprache wird, genauso wie die Lautsprache, in der linken Gehirnhälfte verarbeitet. Auch Sie können die Gebärdensprache, wie jede andere Fremdsprache, erlernen. Gebärdensprachen-Dolmetscher/innen werden übrigens laufend gesucht.

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