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UN-Behindertenrechtskonvention – Artikel 30: Teilhabe am kulturellen Leben sowie Erholung, Freizeit und Sport.

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Haben Sie schon mal von dieser Konvention gehört? Im Jahr 2008 hat Österreich diese bereits unterschrieben. Das ist ein Übereinkommen von den Vereinten Nationen, welches die Rechte von Menschen mit Behinderungen sicherstellt. In Insgesamt 50 Artikeln werden die Menschenrechte beschrieben und deren Einhaltung gefordert. Diesmal haben wir uns den Artikel 30 herausgesucht und ihn für Sie verständlich aufbereitet.

Egal ob es um die Übersetzung der Nachrichten in die Gebärdensprache, um genügend Rollstuhlplätze beim klassischen Konzert oder um ein Blindenleitsystem zur U-Bahn geht. All diese Maßnahmen sind wichtig, damit Menschen mit Behinderung gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können. Die UN-Behindertenrechtskonvention bietet hierzu die gesetzliche Grundlage.

Dabei handelt es sich um ein internationales Übereinkommen der Vereinten Nationen, auch UNO oder UN genannt. Menschen mit Behinderung erhalten durch die Konvention die gleichen Rechte, wie alle anderen Menschen auch. Keiner darf benachteiligt werden. 177 Staaten und die EU haben die Konvention unterschrieben und müssen die Forderungen in nationale Gesetze übertragen.

In Österreich trat die Konvention am 26. Oktober 2008 in Kraft. Dies ist nun schon fast 12 Jahre her. Einiges wurde bereits beachtet, doch immer wieder wird auch Kritik laut. Die so vielversprechenden Forderungen werden teilweise schleppend umgesetzt. Dies gilt nicht nur für Österreich, sondern leider auch für viele weitere Vertragsstaaten.

Das BhW Niederösterreich setzt sich für eine Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein. In unserem fachlichen Newsletter des Projekts BhW barrierefrei stellen wir Ihnen nun nach und nach einige der 50 Artikel der Konvention vor. Damit wollen wir informieren, aber auch inspirieren.

In unserem ersten Beitrag behandeln wir ein Thema, das uns gerade alle sehr beschäftigt: Die Freizeitgestaltung.

Artikel 30: Teilhabe am kulturellen Leben sowie Erholung, Freizeit und Sport 

Aufgrund des Corona-Virus werden auch unsere Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung derzeit stark eingeschränkt. Für Menschen mit Behinderung ist dies aber leider nichts Neues. Viele Freizeitangebote sind nach wie vor nicht barrierefrei zugänglich.

Ein Beispiel: Alexandra sitzt im Rollstuhl. Ihr/e Freund/innen erzählen ihr ganz aufgeregt, dass das Dorfkino am Samstag eine verlängerte Version ihres Lieblingsfilms zeigt. Der gesamte Freundeskreis will hingehen. Leider ist das Kino nicht barrierefrei zugänglich. Alexandra will nicht, dass ihr/e Freund/innen sie schon wieder ins Kino tragen müssen. Es ist ihr unangenehm. Sie will selbstständig sein. Damit ihr Freundkreis kein schlechtes Gewissen hat, erzählt Alexandra ihnen, dass sie für Samstagabend schon Pläne mit ihrer Familie hat. In Wirklichkeit wird sie den Film zuhause allein auf DVD und in Normallänge anschauen.

Menschen mit Behinderungen haben das Recht am kulturellen Leben teilzunehmen.

Dieser Grundsatz wird im Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention gesetzlich festgehalten.

Artikel 30 bezieht sich nicht nur auf den Konsum von kulturellen Angeboten wie Bücher, Musik, Tanz, Theatervorstellungen, Ausstellungen u.v.m. Die Vertragsstaaten müssen auch sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen sich auch sportlich, kreativ und künstlerisch betätigen können.

Kunst, Kultur und Sport bereichern unser Leben und steigern das Wohlbefinden. Anhand einiger Beispiele wollen wir aufzeigen, wie breit gefächert dieses Thema ist. Sie werden sehen, dass ein barrierefreier Zugang teilweise leichter umsetzbar ist als anfangs gedacht.

  • Fabian liebt Filme. Er ist gehörlos. Mit Hilfe von Untertiteln kann auch er die aktuellsten Filme genießen. Wenn er ins Kabarett geht, freut er sich wiederum über eine Übersetzung in die österreichische Gebärdensprache. Manche Filmpassagen kennt er übrigens schon auswendig.
  • Conny ist eine Leseratte. Sie ist 35 Jahre alt und hat eine Lernbehinderung. Leider gibt es noch sehr wenige Bücher für Erwachsene, die in die „Leichte Sprache“ übersetzt wurden. Zum Glück wird das Angebot laufend erweitert. Zum Geburtstag wünscht sich Conny selbstverständlich ein neues Buch.
  • Wolfgang liebt die Natur. Seit seinem 79. Lebensjahr benötigt er für weitere Strecken einen Rollstuhl. In der Zeitung hat er gerade über eine neue Wanderroute in Österreich gelesen, die auch für Rollstuhlfahrer/innen geeignet ist. Gemeinsam mit seinem Sohn Christoph plant er bereits den Ausflug dorthin. Seit Christophs Kindheit sind sie regelmäßig dem gemeinsamen Hobby Wandern nachgegangen. Diese Tradition können sie so fortführen. 
  • Paul spielt sehr gerne Fußball. Seit einem Unfall vor 5 Jahren sitzt auch er im Rollstuhl. In Pauls Gemeinde gibt es eine Sporthalle, die auch für Rollstuhlfahrer/innen zugänglich ist. Gemeinsam mit einem Freund hat er hier eine E-Rolli-Fußball-Mannschaft gegründet, die von Jahr zu Jahr mehr Mitglieder hat.
  • Tina ist 28 Jahre alt. Sie hat das Down-Syndrom. Viel wichtiger aber ist, dass sie seit sieben Jahren eine leidenschaftliche Tänzerin ist. In ihrer Tanzgruppe hat sie nicht nur viele neue Freund/innen gefunden, auch ihr Selbstwertgefühl ist durch das Tanzen sehr stark gestiegen. Tina war mit ihrer Tanzgruppe auch schon öfters im Fernsehen zu sehen. Sie freut sich, dass Menschen dabei nicht ihre Behinderung sehen, sondern ihr Tanztalent bewundern.

Alle Vertragsstaaten, die die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet haben, müssen dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt an Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten teilnehmen können. So müssen zum Beispiel Anleitungen, Trainings und auch Ressourcen bereitgestellt werden. Doch auch die Aufklärungsarbeit zu dieser Thematik ist sehr wichtig. Denn oft ist auch die Angst vor dem Unbekannten – in dem Fall barrierefreie kulturelle Angebote und Tätigkeiten – selbst eine Barriere.

Aus Erfahrung wissen wir, dass diese Barriere leicht überwunden werden kann. Zum Glück gibt es schon sehr viele Erfolgsgeschichten. Wir empfehlen dazu vor allem auch Gespräche mit Menschen mit Behinderung. Sie sind die Expert/innen zu diesem Thema und wissen am besten, was ihnen fehlt und was sie benötigen.

Sie betreiben oder kennen ein Projekt, das zu diesem Thema passt? Wir freuen uns über Ihre Erfolgsgeschichten. Auch 2021 vergeben wir wieder den Preis „Vorbild Barrierefreiheit“. Die Ausschreibung wird auch hier über den Newsletter kommuniziert.

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