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Keine Angst vor der Barrierefreiheit - Kleine Tipps für den (Um-)Bau

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Wird die Barrierefreiheit beim Bau eines neuen Gebäudes von Anfang an mitgeplant, halten sich die Kosten in Grenzen. Anders ist das manchmal, wenn ein altes Gebäude, das möglicherweise auch unter Denkmalschutz steht, umgebaut wird. Notwendig ist dies beispielsweise nach einem Unfall oder wenn das Haus altersgerecht saniert wird. Wichtig ist, dass auch hier eine/n Expert/in hinzugezogen wird, um eine umfassende Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Die Gesetzeslage in Österreich

Am 1. Jänner 2006 ist das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) in Österreich in Kraft getreten. Das NÖ Antidiskriminierungsgesetz schützt vor Diskriminierung aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter und sexuelle Orientierung. Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Natürlich spielt eine durchdachte bauliche Barrierefreiheit hier eine große Rolle. Ein unterfahrerbarer Geldautomat, der nur mit Stufen erreichbar ist, zählt beispielsweise nicht dazu. Unterfahrbar bedeutet, dass der Automat so platziert ist, dass er für Rollstuhlfahrer/innen erreichbar ist.

Trotz der Gesetzeslage wird die Barrierefreiheit nicht überall umsetzt. Als Ausreden dienen hier oft die dafür anfallenden Kosten oder auch der Denkmalschutz. Fehlende bauliche Barrierefreiheit, wie zum Beispiel Stufen beim Eingang oder eine fehlende barrierefreie Toilette, stellen jedoch eine Diskriminierung dar. Das kann mitunter auch Schadensersatzforderungen nach sich ziehen.

Barrierefreiheit ist manchmal ein Kompromiss

Kompromissbereitschaft ist oft der Schlüssel zum Erfolg. Dies gilt auch bei der baulichen Barrierefreiheit. Eine 100%ige Barrierefreiheit ist nicht immer möglich, da verschiedene Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Diese können mitunter auch im Widerspruch zueinander stehen. So stellen Gehsteigkanten, die für blinde Menschen Orientierung bieten, für Rollstuhlfahrer/innen eine Barriere da. Entsprechende Kompromisse sollen Verbesserungen für alle Menschen herbeiführen. Hier hilft die ÖNORM B 1600, die Vorgaben für barrierefreies Bauen festlegt. Im ÖNORM-Gremium, in dem geeignete Bestimmungen diskutiert werden, sitzen natürlich auch Behindertenvertreter/innen.

Kleine Lösungen mit großer Wirkung

Das BhW Niederösterreich will aufzeigen, dass es oft keinen großen Aufwand benötigt, um die eigene Umgebung barrierefreier zu gestalten. Häufig genügen einfache und schnelle Maßnahmen. Doch sehen Sie selbst.

Beispiel 1:

Wir sind uns alle einig: Blumen werten die Umgebung auf. Sie sind eine Wohltat für Augen und Nase. Doch aufgepasst! Denken Sie genau über den Standort der Blumentöpfe nach. Gerade für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen werden diese nämlich schnell zum Stolperstein.

Bedenken Sie, dass sich viele blinde Menschen mit einem Taststock fortbewegen. Mit seiner Hilfe können sie eigenständig im öffentlichen Raum unterwegs sein. Taktile Leitsysteme geben zusätzliche Orientierung. Hierbei handelt es sich um gerillte Linien am Boden, die gut mit dem Taststock wahrnehmbar sind und die Gehenden zu ihrem Ziel führen. Taktile Leitsysteme sind besonders dort wichtig, wo keine weiteren Orientierungspunkte, wie beispielsweise Hauswände oder Handläufe, vorhanden sind. Damit die Leitsysteme nutzbar sind, müssen sie frei von Hindernissen sein.  Auf dem Bild ist ein moderner Blumentopf zu sehen, der leider schlecht positioniert ist. Er sperrt den Weg des taktilen Leitsystems ab. Zudem ist der Topf sehr unauffällig, denn hier trifft Grau auf Grau. Kontrastreiche Farben, die sich von der Umgebung abheben, sind sehr hilfreich für sehbeeinträchtige Menschen.

Beispiel 2:

Die Rampe links im Bild ist gut gemeint und zeigt, dass sich der Manager des Hotels Gedanken über Barrierefreiheit gemacht hat. Doch leider ist die Rampe für niemanden nutzbar. Das liegt an verschiedenen Faktoren. So ist vor der Rampe viel zu wenig Platz für einen Rollstuhl. Laut ÖNORM B 1600 (barrierefreies Bauen) muss hier ein Bereich von mindestens 150 cm Durchmesser gewährleistet sein. Nur so kann ein/e Rollstuhlfahrer/in auch gut wenden. Das gleiche trifft natürlich für Kinderwägen zu.

Zusätzlich ist die Rampe viel zu steil. Nur Personen mit unmenschlichen Kräften würden den Weg allein bewältigen. Doch was kann man in diesem Fall tun? Ein Treppenlift schafft beispielsweise Abhilfe. Vielleicht gibt es auch einen weiteren Aufgang, bei dem eine Rampe mehr Sinn macht. Für sehbeeinträchtigte und blinde Personen sollte zudem der Handlauf verlängert und auch Treppenmarkierungen angebracht werden.

Das BhW Niederösterreich unterstützt Sie bei Ihren barrierefreien Bauvorhaben. Unsere Beratungsangebote finden Sie hier: www.bhw-n.eu/projekte/barrierefrei/angebote/

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