Springe direkt zu:

Drucklogo Bildungs- und Heimatwerk NÖ
Banner Bildungs- und Heimatwerk NÖ: Wir fördern Lernkultur - Lebensnah - Lokal - Landesweit - Leidenschaftlich

Brotkrümelnavigation:

Wie kann Basisbildung noch besser gelingen?

Hauptinhalt:

Im Sommer 2019 startete in der Basisbildung im BhW Niederösterreich das Projekt „Bee_com[e]“ als Entwicklungsprojekt für neue Methoden und Inhalte in der Vermittlung von Grundbildung. „Neben dem konkreten Kursangebot für Frauen war ein weiteres Ziel des Projekts Bee_com[e] neue Wege für die Basisbildung durch Gemeinwesenorientierung und Berufsbildung zu erproben“, erklärt Therese Reinel, Geschäftsführerin im BhW Niederösterreich. Erarbeitet und evaluiert wurden so neue methodische Ansätze, Inhalte und Vermittlungsformate, um Frauen optimaler in einen beruflichen Wiedereinstieg zu begleiten. Die Lernbegleiterinnen der Basisbildung Edith Gruber und Brigitte Schönsleben-Thiery haben in acht Punkten zusammengefasst, welche Erkenntnisse sie im Laufe des Projekts für die Basisbildung gewonnen haben und welche langjährigen Erfahrungen einmal mehr bestätigt wurden.

1)     Lernen braucht Raum!
Raum an Zeit, Miteinander, Beziehung, Vertrauen, Teamgeist, Vorbild, Führung, Motivation, Ort und Infrastruktur. Raum, um zeitgemäße Inhalte zu vermitteln und komplexe Zusammenhänge erkennbar zu machen, Raum für Bewegung, Kunst und Kultur und wohlwollende Förderung durch persönliche Forderung.

„Nicht immer haben wir in der Basisbildung so intensiv Gelegenheit, diese Prinzipien der Basisbildung umzusetzen, wie im Kooperationsprojekt Bee_Com[e]. Umso mehr freut es uns, dass es so gut gelungen ist“, betont Brigitte Schönsleben-Thiery, Lernbegleiterin der Basisbildung im BhW Niederösterreich.

2)     Durchhalten und Motivation unter erschwerten Umständen vermitteln und finden.

Die Corona-Pandemie zeigte es besonders drastisch: Lernen ist immer auch abhängig von den Begleitumständen. Diese einfach nur auszublenden, wäre ein Fehler. Distance bzw. Online Learning, die Sorge um eine Ansteckung, eine im Wandel begriffene Welt, all dies sind Einflussfaktoren, die sich auf das Lernen und die Motivation des einzelnen auswirken. Bezieht man diese Faktoren aber aktiv als Lernfeld ein, gelingt das, worauf das Projekt Bee_com[e] besonders viele Antworten gefunden hat: Wie gelingt es, Teilnehmerinnen mit bisher schwierigen Lernbiografien zum Durchhalten sowie auch dazu zu motivieren, das persönliche Ziel weiter zu verfolgen, auch wenn es gerade nicht nach einem nahen Erfolg aussieht? Disziplin, wenn die Lust am Lernen auslässt. Das Positive im „Unglück“ sehen. Sich selbst tatsächlich treu bleiben, nicht in zynischen Humor und Resignation verfallen, sondern ernsthaft und zuversichtlich bleiben, sich gegenseitig stärken und den Zusammenhalt über verschiedene Kulturen hinweg pflegen.

3)     Basisbildung ist mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen.

Neben der Vermittlung des Wissens bedeutet Basisbildung stets auch ermutigen, ermächtigen sowie die Selbstwirksamkeitserwartung und Handlungskompetenz zur Teilhabe an der Gesellschaft stärken. Es geht darum, zu lernen, wieder an sich und sein Potential zu glauben, wenn dieser Glaube irgendwann in der persönlichen Lernbiografie abhandengekommen ist. Wenn das gelingt, bleibt man Lernende und Lernender für das weitere Leben.

4)     Lernen per Videokonferenz ist möglich – und anders.  

„Man darf aber nicht glauben, dass das Online-Lernen genauso wie Lernen in Präsenz funktioniert“, beschreibt Edith Gruber, Lernbegleiterin der Basisbildung im BhW Niederösterreich. Ein Faktor ist die Zeit: Online-Lernen etwa per Videokonferenz braucht mehr Zeit. Komplexe Inhalte beispielsweise über Zoom zu vermitteln, zu erarbeiten, zu verstehen dauert länger als im Präsenzunterricht. Wer einen ganzen Vormittag in Zoom arbeiten möchte, muss alle 45 Minuten für 15 Minuten eine Pause einlegen. Nur so bleiben alle Teilnehmerinnen munter und motiviert. Abwechslungsreiche Methoden sowie Aktivierungsübungen sind im Online-Unterricht noch weit wichtiger als in Präsenz und eine reflektierte und professionelle Didaktik ist unumgänglich.

5)     Reflexion, Reflexion, Reflexion

Was den Lernerfolg nachhaltig festig, ist am Ende jedes Vormittages eine ausgiebige und positiv-lernergebnisorientierte Reflexion: Was habe ich gelernt? Was gefällt mir besonders gut? Was fällt mir leicht? Womit glänze ich schon? Was möchte ich noch üben? Reflexion ist Teil des Lernprozesses und braucht Zeit und Raum.

6)     Das Einbinden der Zivilgesellschaft

Exkursionen, Gastreferent/innen und Workshops zu verschiedenen Themen ermöglichen einen besseren Wissenstransfer in die Praxis. Mit abwechslungsreichen Inhalten und Fachreferent/innen werden die Lernfreude und Wissbegierde gefördert und komplexe Zusammenhänge erfahrbar. „Besonders der Umgang mit komplexen Zusammenhängen ist in der heutigen Zeit von großem Wert. In Zeiten, in denen durch die Digitalisierung die Welt ein Dorf geworden ist, ist gesellschaftspolitische Bildung ein Muss in der Basisbildung“, betont Christine Spindler, Leiterin der Basisbildung im BhW Niederösterreich. Die Erkenntnisse aus der vermeintlich simplen Feststellung, dass „alles politisch ist“, eröffnet für viele Teilnehmer/innen eine neue Weltsicht und ist die Basis für eine aktive gesellschaftliche Mitgestaltung.

7)     Der Blick auf das Positive.

Das Hervorheben der „kleinen“ Erfolge, der kleinen Schritte, das Bewusstmachen, dass Lob und Anerkennung - auch und besonders für sich selbst - Kraft und Motivation geben, ist nicht nur in der Basisbildung bedeutsam. In diesem Zusammenhang ist es gut, das bereits vorhandene Wissen der Teilnehmer/innen in die Gruppe zu holen und ihnen durchaus als Wissensvermittler/innen eine Bühne zu geben. Das fördert das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeitserwartung. Es zeigt, dass wir alle voneinander lernen können und stärkt die gegenseitige Wertschätzung.

8)     Kreative Inhalte wie bildnerische Gestaltung, Theater, Stimme und Gesang, Tanz und Bewegung stimulieren Körper, Geist und Seele. „Kreative Ansätze sind das Salz in der Suppe, das nie fehlen sollte“, beschreibt Brigitte Schönsleben-Thiery ihre Erfahrungen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit beim Malen zu einem bestimmten Thema, ob allein oder in der Gruppe, kann den Lern- und Coachingprozess ungeheuer ergänzen. Zudem fördern bewusst gesetzte kreative Methoden die Kompetenz mit Unbekanntem umzugehen, zu improvisieren und innovieren.

Zu lernen, wie man seinen Atem und seine Stimme souverän einsetzt, hilft nicht nur beim Bewerbungsgespräch, sondern auch beim Deutschlernen. Wenn dann noch gemeinsam gesungen wird, lacht das Herz. Schauspiel ist eine der komplexesten Lernmethoden und stimuliert alle Sinne. So inspiriert lernt das Gehirn ohne Mühe, dafür mit Freude und Leichtigkeit. So beeinflusst lebensbegleitendes Lernen den Gesundungsprozess, der in umfangreichen Studien nachgewiesen werden konnte, umso mehr.

Projektabschluss

Die Lernergebnisse insbesondere auch für Basisbildnerinnen und Basisbildner können sich also sehen lassen und werden nun in einem Handbuch praxisnah dokumentiert. Unter Federführung des BhW Niederösterreich erstellen nun die  Kooperationspartner des Projekts Bee_com[e] gemeinsam ein Handbuch, das die Umsetzung dokumentiert und eine Praxisanleitung für die Ausrollung im Regelbetrieb der Erwachsenenbildung gibt.

Darüber hinaus finden Gespräche mit dem Bildungsministerium und der Initiative Erwachsenenbildung statt, wie das Modell, das sich im Pilotversuch bewährt hat, in künftige Förderansätze einfließen kann.

Die Absolventinnen von Bee_com[e] sind sich jedoch jetzt schon sicher: Die Bee_Com[e]-Ansätze sollten in den Regelbetrieb übernommen werden, damit sich möglichst viele Frauen von gemeinwesen- und berufsorientierter Basisbildung beflügeln lassen können.

Das Projekt Bee_com[e] wird gefördert durch den Europäischen Sozialfonds und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung.

© NDABCREATIVITY - AdobeStock.com

Social Media Teilen-Buttons

Kultur Niederösterreich