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Gemeinwesenorientierte Erwachsenenbildung in Zeiten der Corona-Krise – was lernen wir daraus?

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Zur Minimierung des Ansteckungsrisikos mit dem Corona-Virus wurden viele Kultur- und Bildungsveranstaltungen der Bildungswerke Niederösterreich abgesagt. Mit Anfang Mai können wieder verschiedene kleinere Veranstaltung mit maximal 10 Personen stattfinden.

In einer Zeit, in der soziale Kontakte minimiert werden müssen, sieht man plötzlich, welche Bedeutung Kultur- und Bildungsveranstaltungen im Wochenlauf der Menschen einnehmen. Es entfällt weit mehr als ein Kurs, es entfällt die Möglichkeit zum Austausch, einander zu sehen oder sich mitzuteilen.  

Unsere Idee von gemeinwesenorientierter Bildungsarbeit ist aber genau das: Vor Ort in den Gemeinden Niederösterreichs zu sein, Menschen zu beraten und zu begleiten. Ein Stück weit hilft uns gerade, dass wir online gehen können.

Online statt abgesagt

Wir haben 48 Kurse der BhW Basisbildung mit rund 300 Teilnehmer/innen in Webinare verlegt und sie mit Lernangeboten per Messenger-Diensten oder mit Selbstlernmaterialien versorgt. Gerade für Menschen mit Basisbildungsbedarf ist es in diesen unsteten Zeiten wichtig, ihren Lernprozess nicht abbrechen zu müssen und in diesem Rahmen auch Begleitung zu bekommen, um ihren veränderten Alltag besser zu meistern.

Kurse der Basisbildung online abhalten zu können, ist daher eine unschätzbare Leistung - bedenkt man, dass die meisten Teilnehmer/innen zu uns in die Basisbildung ohne digitale Vorkenntnisse gekommen sind und Probleme beim Lesen und Schreiben haben. Aus einigen PC-Anfänger/innen sind in dieser relativ kurzen Zeit nun geübte Webinar-Teilnehmer/innen geworden, denen unsere Trainer/innen einen nutzenbringenden Zugang zur digitalen Welt geschaffen haben. Dahinter steckt ein unerschütterliches Engagement unserer Trainer/innen und ein fundiertes Methodenwissen mit jahrelanger Erfahrung.

Auf mehrjährige Erfahrung in der Online-Beratung konnten auch die Beraterinnen der BhW Bildungsberatung bauen. Bildungs- und Berufsberatung findet nun über verschiedene Medien online statt und dies unter Einhaltung eines möglichst guten Standards. Es ging uns hier vor allem darum „nicht einfach online zu gehen“, sondern dabei auch unsere hohe Beratungsqualität und unsere Standards hinsichtlich Vertraulichkeit und Datenschutz online ebenfalls einzuhalten.

Wir alle kennen die Tücken der Online-Kommunikation. Ebenso schwierig ist es für unsere Beraterinnen der Bildungsberatung ein gutes Beratungsgespräch zu ermöglichen. Eine gute Online-Beratung kann nur dann gelingen, wenn Fachkenntnisse auch im Umgang und Einsatz von Online-Tools vorhanden sind und diese nun gezielt weiterentwickelt und an die neuen Umstände angepasst werden.

Neue Bildungsangebote initiieren

Gerade für unsere ehrenamtlich geführten Bildungswerke ist die derzeitige Situation herausfordernd. Ihre Hauptaktivität, nämlich Bildungs- und Kulturveranstaltungen durchzuführen, ist nicht möglich. Die Menschen kommen in den Gemeinden damit nicht mehr zusammen und haben keine Möglichkeiten sich auszutauschen. Aber gerade die gute Einbindung der Bildungswerke in den Gemeinden zeigt, welche wichtige Stütze die Bildungswerke nun sind: Sie organisieren Nachbarschaftshilfe, unterstützen mit angepassten Angeboten oder verlagern ihre Aktivitäten in die virtuelle Welt.

Unterstützt werden sie dabei vom Team Support Ehrenamt am BhW Niederösterreich. Das Team lädt Ehrenamtliche zu einem virtuellen BhW Stammtisch ein und entwickelt für die Ehrenamtlichen mehrere Weiterbildungsangebote, wie sie ihre Angebote online umsetzen können. Initiiert wurden u.a. Videokonferenzen für Eltern-Kind-Runden, Gemeindetreffs oder verschiedene Vorträge im Webinar-Format.

Besonders wertvoll erscheinen in diesem Zusammenhang die Leseimpulse von Zeit Punkt Lesen. Viele Menschen sind derzeit in den sozialen Medien auf der Suche nach Beschäftigungstipps für die Zeit zu Hause mit Kindern. Sie nutzen die vielen Interpretationen des erweiterten Lesebegriffs von Zeit Punkt Lesen: Bastelideen, vorLESE-Tipps oder Aktivitäten rund ums Lesen vertreiben Langeweile und stehen für qualitätsvolle Beschäftigungsmöglichkeiten.

Analog nicht vergessen – Digitales muss barrierefrei sein

Bei aller Freude über diese schnelle Umsetzung der Online-Lösungen benötigen wir dennoch ein gutes und weitsichtiges Augenmaß in der Bewertung dieser Möglichkeiten für die künftige Bildungsarbeit. Für viele Menschen bleiben die digitalen Möglichkeiten hinter verschiedenen Barrieren unerreichbar. Ob technische Voraussetzungen – wer hat einen Computer? -, das Scrollen für mobilitätseingeschränkte Personen, das Bildschirmlesen für Sehbeeinträchtigte oder das sich Zurechtfinden für Menschen, die keine digitalen Kenntnisse haben, all das schließt einen Teil der Bevölkerung von den digitalen Möglichkeiten aus. Auch konnten einige Angebote der BhW Basisbildung nur deshalb online gehen, weil den Teilnehmer/innen im Rahmen des Kurses ein Laptop zur Verfügung gestellt wurde.

Daher setzt sich das Projekt Barrierefrei am BhW Niederösterreich mit der digitalen Barrierefreiheit auseinander, erstellt Anleitungen für barrierefreie Dokumente und sensibilisiert zu diesem Thema.

Alltagsimpulse für ältere Menschen

Auch die Bildungswerke haben die eingeschränkte Erreichbarkeit von Online-Angeboten durch die ältere Bevölkerung aufgegriffen. Das Team Support Ehrenamt unterstützt die Bildungswerke mit Kopiervorlagen für Info-Briefe, die unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen kontaktlos in den Gemeinden verteilt werden. Die Info-Briefe beinhalten Alltagsimpulse – von Bewegungsübungen über Gehirnjogging bis hin zu kreativen Gedankenspielen und Informationen aus der Gemeinde. Nachdem die Gemeinde sie mit wichtigen Informationen ergänzt hat, verteilen die Bildungsehrenamtlichen des BhW Niederösterreich die Info-Briefe.“

Die Chancen aus der Krise

In den letzten Jahren haben wir uns im BhW Niederösterreich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung für die Bildungsarbeit auseinandergesetzt. Vieles davon wurde oft verhalten angenommen und es scheint, als wäre jetzt mehr möglich und aufgrund der Isolation auch eine größere Offenheit und Akzeptanz spürbar. Die Krise bietet uns nun also auch Chancen, digitale Möglichkeiten auszuprobieren, die aus welchen Gründen auch immer bisher nicht möglich waren. So ist auch diese Krise für uns wieder eine Chance, viel zu lernen. Unsere Lernorte bleiben daher absolut nicht ungenutzt.

© Robert Kneschke - AdobeStock.com

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