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Einblicke in die Bildungsberatung online: Beratung ohne Anreisezeit und von überall

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„Bildungsberatung ist auch online möglich“. Das klingt ja praktisch, werden Sie sich jetzt vielleicht denken, also kann ich einer Beraterin auch eine Mail schreiben? Oder sie per WhatsApp kontaktieren? Skypen, zoomen oder facetimen wir, treffen wir uns auf Jitsi oder befreunden wir uns auf Facebook, um alle Fragen zu besprechen? Sind meine Daten bei einer Online-Beratung sicher? Muss ich mich mit meinem Namen anmelden oder kann ich das auch anonym nutzen?

Man sieht: „Online“ hat viele Facetten, und ist auch nicht erst seit Corona zum Schlagwort geworden. Bereits seit 2015 bietet die BhW Bildungsberatung ihre Beratungen auch online an. Was genau bedeutet das?

Zwei Formate: webbasierte Mailberatung…

In der Onlineberatung unterscheiden wir zwei Formate – und das aus gutem Grund. Die Sicherheit Ihrer Daten ist uns enorm wichtig. Daher erfolgt die Beratung nur über eine gesicherte Plattform und nicht über WhatsApp, Skype oder Facetime.

Einerseits gibt es die mailbasierte Onlineberatung über die gesicherte Plattform beranet. Hier können Personen auf der barrierefreien Website www.bildungsberatung-online.at rund um die Uhr eine Anfrage stellen. Die Beraterin liest diese und hat für ihre Antwort drei Werktage Zeit. Alle Texte, also Frage und Antwort, bleiben auf der Plattform beranet. Diese ist im deutschsprachigen Raum ein großer Anbieter von Beratungssoftware, auch psychosoziale Beratungsdienste wie etwa die Telefonseelsorge verwenden sie, da sie DSGVO-Konformität garantiert und so eine sichere Plattform ist.

Zwischen Ratsuchendem und Beraterin kann also in der mailbasierten Onlineberatung ein Dialog entstehen, der allerdings zeitversetzt abläuft. Der Faden kann auch nach längerer Zeit wieder aufgenommen werden, manchmal antworten Leute erst Wochen oder Monate später. Auch gar nicht zu antworten ist in Ordnung, und kommt häufig vor, wenn alle Fragen geklärt und Informationen gegeben wurden.

…und der Bildungsberatungschat

Wem das Schreiben und Warten auf eine Antwort zu lange dauert, der kann – ebenfalls über www.bildungsberatung-online.at – einen Chat buchen. Hier stehen Termine zur Verfügung, die Beraterin und der Ratsuchende finden sich zur selben Zeit im virtuellen Chatroom ein und können einen Dialog führen. Beraterinnen sind hier mehr gefordert, da die Kommunikation oftmals sehr schnell abläuft. Grundlegendes, worum es der zu Beratenden geht, kann zwar bei der Terminbuchung angegeben werden („Ich möchte die Matura nachholen und brauche Infos“); wie bei der persönlichen Beratung entwickelt sich das Gespräch dann oftmals in andere Richtungen, Informationen kommen dazu und neue Ideen werden entwickelt.

Die Ähnlichkeiten der Beratungsformate zeigen sich auch in unserem Beratungsverständnis, denn wir verstehen Onlineberatungen als gleichwertig mit persönlichen Beratungen. Daher verhalten wir uns bei einer Onlineberatung/Chatberatung ebenso professionell: Wir sind alleine im Raum, lassen niemanden „über die Schulter schauen“, nehmen uns für die Beratung Zeit und besprechen herausfordernde Fälle anonymisiert in Inter- und Supervisionen. Dass wir uns stets neu ein- und wieder ausloggen und Anfragen nicht ausdrucken, gehört ebenso dazu.

Viele Vorteile…

Schriftliche Beratung ermöglicht es den Ratsuchenden, die Informationen im eigenen Tempo verarbeiten zu können, sie immer wieder nachzulesen oder unbekannte Wörter nachschlagen zu können. Wir vermuten, dass dies ein Grund dafür ist, dass viele Personen die Onlineberatung nutzen, die Deutsch gerade lernen. Zu Beginn der Onlineberatung waren wir eher darauf eingestellt, dass sich vor allem Menschen an uns wenden würden, die sich schriftlich sehr gut ausdrücken können. Uns sind aber alle Anfragen gleich willkommen, ganz unabhängig davon wie sich jemand ausdrücken kann oder welcher Grad an Rechtschreibkenntnissen vorhanden ist.

Besonders von Vorteil ist natürlich, dass die Beratung in einem Flächenbundesland wie Niederösterreich von zuhause aus durchgeführt werden kann – keine Busfahrt zum nächsten Beratungsstandort, kein Warten auf einen freien Termin, keine Notwendigkeit, für die Dauer der Beratung eine Kinderbetreuung zu organisieren.

Die Anonymität ermöglicht es oftmals, auch schwierige oder tabuisierte Themen offener anzusprechen, etwa dass jemand aufgrund einer Suchterkrankung nicht mehr in der Gastronomie arbeiten oder sich die gewünschte Weiterbildung einfach nicht leisten kann. Und wenn mich ein Problem zu überwältigen droht, kann alleine schon die schriftliche Ausformulierung dabei helfen, mich innerlich davon zu distanzieren und eine Art „Außensicht“ einzunehmen.

…und einige Herausforderungen

Ein zuversichtliches Lächeln oder ein aufmunternder Blick statt vieler Worte? Online ist das leider schwierig, und wir sind daher bemüht, unsere wegfallende Mimik und Gestik mit Worten zu kompensieren. Auch Smileys oder Phrasen, die in formaler schriftlicher Kommunikation eher unüblich sind, helfen dabei, die Nähe zwischen Beraterin und Ratsuchenden auf andere Art herzustellen, etwa indem man die eigenen Handlungen kommentiert („hmmm, ich überleg jetzt gerade mal“) oder generell eher so schreibt, wie man auch sprechen würde („da haben Sie also eh schon ordentlich was mitgemacht, hör ich“).

Gerhard Hintenberger, der lange Zeit schon in der Ausbildung von Onlineberater/innen tätig ist und hierzu auch forscht und publiziert, hat dafür den Begriff der Oraliteralität geprägt. Er versteht darunter, dass Elemente der gesprochenen Sprache in die schriftliche Kommunikation einfließen, um so die Distanz der Gesprächspartner/innen überwinden zu können und für Nähe zu sorgen. Wer sich unter Oraliteralität noch nichts vorstellen kann, der könnte nun in den Brenner-Romanen von Wolf Haas nachlesen und überprüfen, wie „mitgenommen“ man sich in diesen Texten fühlt.

Rückmeldungen der Ratsuchenden

Nach all der Theorie fragen Sie sich nun vielleicht, wie kommt die Onlineberatung an, was wird besonders geschätzt? Dazu wurde in den vergangenen Jahren immer wieder Feedback eingeholt, hier einige O-Töne von Ratsuchenden:

weil ich lieber alles online mache / schnelle Auskunft ohne Terminvereinbarung / ich tue mir leichter über meine Probleme zu schreiben als zu reden / einfach und bequem / weil ich am Wochenende die Frage hatte und sofort schreiben wollte, bevor ich es wieder hinausschiebe / Anonymität / weil man es nochmal durchlesen kann / kann es „nebenbei“ machen“.

 

Quellen:

Hintenberger, Gerhard: Webbasierte Bildungsberatung als neues Angebot. In: Hammerer, Marika / Kanelutti, Erika / Melter, Ingeborg (Hg.): Zukunftsfeld Bildungs- und Berufsberatung: Neue Entwicklungen aus Wissenschaft und Praxis. Wbv 2011. S. 141-146.

Skripten und Unterlagen aus Weiterbildungen der österreichweiten Bildungsberatung online


Weiterführende Links:

www.bildungsberatung-online.at

Fachzeitschrift für Onlineberatung und schriftbasierte Kommunikation, https://www.e-beratungsjournal.net/

Interview über die Tätigkeit als Onlineberaterin: https://www.bic.at/downloads/de/archiv/interviews/interview_sieder_online_beratung.pdf

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