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Covid-19: Wie umgehen mit der Bildungsarbeit im Herbst/Winter?

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Aus dem Blickpunkt der Erwachsenenbildung gesehen, mag man meinen, dass uns das erste Halbjahr der Corona-Krise genug Lernaufgaben gestellt hat. Lernaufgaben, die uns zeigen, wie wichtig Bildung und die Fähigkeit, sich neues Wissen anzueignen und Informationen kritisch zu hinterfragen, gerade in herausfordernden Zeiten sind.

Was hat uns das erste Halbjahr der Corona-Krise gezeigt?

1) Noch nie waren digitale Kompetenzen so wichtig wie jetzt. Durch die häufige Alternativlosigkeit zu digitalen Lösungen stieg die „digitale Bereitschaft“ – eine wichtige Grundlage, um sich mit den digitalen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Dies veränderte unser Kommunikations-, Lern- und Arbeitsverhalten.

2) Bildungsfern bedeutet einmal mehr benachteiligt. Doch längst nicht alle konnten von den digitalen Alternativen profitieren. In Niederösterreich leben rund 200.000 Menschen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz. Online-Informationen basieren überwiegend auf Texten, die sich Menschen mit einer geringen Lesekompetenz nicht erschließen können. Auch der nicht-lineare Textaufbau mit Verlinkungen und Querverweisen, die Informationsflut im Internet mit sich ergänzenden, widersprüchlich oder schlichtweg überflüssigen Informationen stellen große Herausforderungen an Lesestrategien dar. Hier sind eine Vermittlung von digitalen Lesestrategien wie auch das Wissen um Fake News gefragt.  

3) Digitalisierung muss man sich leisten können: Zugang zu digitalen Informationen und deren Nutzung (z. B. auf Videokonferenzen) ist nur möglich, wenn Nutzer/innen über entsprechende Endgeräte verfügen. Ob Smartphone, Headset oder Laptop, um dies zu besitzen und auf einem aktuellen Stand zu halten, sind finanzielle Mittel Voraussetzung.

4) Zu wenig digitale Barrierefreiheit. Die digitalen Alternativen haben noch eine weitere Zielgruppe ausgeschlossen. Internet, soziale Medien, Online-Dokumente oder Videokonferenzsystem sind alles andere als barrierefrei. Menschen mit Sehschwächen und blinde Personen sind auf Screen-Reader angewiesen, die eine barrierefreie Aufbereitung benötigen, damit das maschinell-gestützte Vorlesen funktioniert. Trotz gesetzlicher Grundlage sind jedoch viele Webseiten nicht barrierefrei. Ein barrierefreies Videokonferenzsystem gibt es nicht. Die Navigation für Menschen mit motorischen Einschränkungen gestaltet sich auf vielen digitalen Angeboten äußerst schwierig. Unser Projekt BhW barrierefrei setzt sich mit der digitalen Barrierefreiheit auseinander und hat einfache Anleitungen für barrierefreie Dokumente entwickelt. 

5) Digital ist nicht unbedingt sozial. Kommen wir von der Digitalisierung ins soziale Miteinander. Der Lock-Down im Frühjahr führte zur sozialen Isolation vor allem älterer Menschen. Die vielen abgesagten Bildungs- und Kulturveranstaltungen machten eines sichtbar: Ohne Bildungs- und Kulturangebote verschlechtert sich die Lebensqualität massiv, Entwicklungsimpulse für die Persönlichkeit, im beruflichen oder privaten Vorankommen fehlen. Wir haben negative Einflüsse auf unser Gesundheits-, Umwelt- oder Bewegungsverhalten festgestellt. Es fehlten die vielfältigen Möglichkeiten zum Lernen durch Austausch – ob über Elternbildungsthemen, dem gemeinsamen Nachgehen eines Hobbys in einer Gruppe bis hin zu kreativen Gestaltungsprozessen, die Herz und Auge erfreuen.

6) Digitale Angebote besser vernetzen: Digitale Angebote ermöglichen es uns, bequem von der Couch aus an Bildungsangeboten teilzunehmen, die wir aufgrund der Entfernung zum Veranstaltungsort früher nicht besucht hätten. Plötzlich wird der Wissensaustausch über (Bundes-) Landesgrenzen hinaus zum Kinderspiel. Um besser über Online-Veranstaltungen Bescheid zu wissen, wäre eine bessere Vernetzung - beispielsweise über die Dachverbände der Erwachsenenbildung - wünschenswert. 

Für den Herbst/Winter: Strukturen stärken und erneuern

Denken wir nach vorn: Es wird auch eine Phase nach der Corona-Krise geben, in der sich betroffene gesellschaftliche Bereiche von der Krise erholen und erneuern werden. Wie gut diese Erholungsphase gelingen wird, ist von vielen Faktoren abhängig.

Wieder aus dem Blickpunkt der Erwachsenenbildung betrachtet, wird ein Faktor sein, wie gut wir das Angebot unserer Bildungs- und Kulturveranstaltungen aufnehmen und auf die geänderten Umstände anpassen können. Dafür ist es wichtig, dass wir auf bewährte Strukturen zurückgreifen – und diese zu stärken und zu erneuern, das kann eine Aufgabe nun im Herbst und Winter in dieser Zwischenphase sein. 

Wie Veranstaltungen planen?

Die Bestimmungen zur Minimierung des Ansteckungsrisikos mit Covid-19 werden laufend an das aktuelle Infektionsgeschehen angepasst. Es empfiehlt sich daher, den Schwerpunkt auf kleinere, regionale Bildungsangebote ohne einen großen Vorbereitungsaufwand zu legen. Dies ist ohnehin eine Stärke unserer Bildungsangebote in den Bildungswerken: Angebote in kleinen Gruppen zu unterschiedlichen regionalen Themen vermitteln Nähe, wenn physische Distanz gefragt ist.

Die Verarbeitung der veränderten Lebensverhältnisse und ein guter Umgang mit der Krise sind für die Menschen derzeit gefragte Themen. Anderseits ist auch die Ablenkung vom Alltag, die Teilnehmende in Kreativkursen oder bei kulturellen Vorträgen finden, gerade eine willkommene Gelegenheit ein Bildungsangebot zu besuchen.

Beobachtet haben wir auch, dass die Menschen sich vermehrt für die Geschichte und die Geschichten aus ihrem unmittelbaren Umfeld interessieren. Regionswissen – solange es das Wetter noch zulässt, vermittelt auf einem Bildungsspaziergang durch den Ort – informiert und bewegt. Apropos Wetter – auch Initiativen und Projekte für Nachhaltigkeit und gegen den Klimawandel – finden meist viele Zuhörer/innen.

Beratung im BhW Niederösterreich

In unserem Mitgliederbereich auf der Homepage werden wir laufend die aktuellen Informationen zur Durchführung von Bildungsveranstaltungen veröffentlichen. Gerne beraten wir zu den anstehenden Fragen auch persönlich.

Weiterlesen - Erwachsenenbildung und die aktuelle Covid-19-Verordnung...

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