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Alphabetisierung und digitale Kompetenzen

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Sind Ihnen diese Zeichen (siehe Bild) bekannt? Vermutlich begegnen Ihnen diese Symbole täglich und Sie wissen auch, welche Bedeutung sie haben. 

Speziell in Corona-Zeiten war und ist die Arbeit mit digitalen Geräten und dem Internet nicht mehr wegzudenken. So auch in der Erwachsenenbildung.

Online-Lernen trotz Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben?

Doch wie kann man sich dieses veränderte Arbeiten mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Basisbildung NÖ vorstellen? Mit Menschen also, die Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben, Rechnen oder mit unserer Sprache haben?

Das Arbeiten mit Erwachsenen in der Basisbildung im „Lock-down“ war oftmals schwer zu bewerkstelligen. Schließlich waren neben den oben genannten Problemen auch der Zugang zum Internet, zu PCs oder Laptops für die Teilnehmenden in geringem Ausmaß bzw. gar nicht vorhanden. Es fehlte aufgrund der unvorhersehbaren Schließungen die Möglichkeit zur Vorbereitung und dem Voreinrichten geeigneter Programme zum gemeinsamen Arbeiten. So mussten zuerst viele Telefonate geführt, Erklärungen erarbeitet und vermittelt, sowie organisatorische Abläufe abgeklärt werden.

Trotz aller Hürden war unsere Arbeit auch geprägt durch Kreativität, Weiterentwicklung, Flexibilität und das Bemühen, um die Schaffung neuer Lernräume und Lernmöglichkeiten.

Erstaunlich ist, dass viele Menschen, denen man aufgrund fehlender oder geringer Basiskompetenzen keine Teilhabe am gesellschaftlichen Kontext unterstellt, sich gut auf ihren Handys oder am PC zurechtfinden. Das half auch in der Coronakrise.

Wir alle mussten uns in dieser Zeit an neue Bedingungen anpassen und uns umstellen, allen voran unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nicht mehr war nur das Üben von Schreiben, Lesen und Rechnen gefragt, nein, vor allem die Handhabung digitaler Medien rückte in den Vordergrund. Somit waren alle Teilnehmenden sowie Trainerinnen und Trainer im Umgang mit Computer, Handy, Tablet, Laptop und den jeweiligen Apps gefordert. Und gleich vorweg - alle lernten dazu!

Wissenschaftliche Diskussion um Analphabetismus oder geringe Literalität

Die Fachwelt möchte, sowohl begrifflich als auch in der Praxis, die Stärken der Menschen in den Vordergrund stellen. So spricht man aufgrund fehlender Basisfertigkeiten nur mehr bedingt vom „funktionalen Analphabetismus“, der den Eindruck von starken gesellschaftlichen Einschränkungen impliziert. Stattdessen wurden die Begriffe „geringe Literalität“ oder „gering literarisierte Erwachsene“ bereits 2018 in der LEO-Studie verwendet. Der Umgang mit Schrift, Lesen und Sprache wird hier hervorgehoben und vermeidet die Beurteilung des Menschen als Ganzes.

Geringe Literalität bedeutet, dass eine Person allenfalls bis zu einfachen Sätzen lesen und schreiben kann. Der Sinn eines etwas längeren Textes wird gar nicht oder nicht schnell und mühelos genug verstanden.

Auswirkungen geringer Literalität auf die Teilhabe in verschiedenen Lebensbereichen

Die LEO-Studie wurde 2010 in und für Deutschland erstellt und 2018 fortgesetzt und untersuchte das Leben mit geringer Literalität und deren Auswirkung auf Teilhabe im gesellschaftlichen Kontext. Da es für Österreich keine gleichwertigen Studien gibt, werden die Ergebnisse der Studien für Österreich mitgelesen.

Besonders die Studie 2018 widmete sich den Fragen geringer Literalität und deren Einfluss auf Kompetenzen in verschiedenen Lebensbereichen. So wurden unter anderem die Auswirkungen geringer Literalität auf digitale, finanzielle, gesundheitliche oder politische Kompetenzen untersucht.

 

Als grundlegende Fähigkeit gilt auch die digitale Kompetenz

Grundlegende Fertigkeiten werden mittlerweile in verschiedene Bereiche unterteilt und ein Teil davon ist die digitale Kompetenz. Eine andere Grundkompetenz, das Lesen, ist nicht nur die Beschäftigung mit Sprache in schriftlicher Form, sondern auch das Interpretieren von Bildern.

Bildern, wie Sie sie am Beginn des Artikels gelesen haben. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer trainierten also nicht nur ihre Lesekompetenz, sondern vor allem auch ihre digitalen Kompetenzen, indem sie lernten, wo zum Beispiel ihre mobilen Daten am Handy zu finden sind, welches Symbol das Bluetooth-Zeichen ist und vor allem welche Bedeutung diese Zeichen im digitalen Alltag  haben und welche Funktionen die Bilder im tatsächlichen Tun erfüllen.

Mit versteckten Talenten weitere Herausforderungen meistern

Ganz im Sinne der LEO-Studie mit ihrem Begriffswandel und im Zeichen der Stärkenorientierung, entdeckten wir tatsächlich während unseres gemeinsamen Arbeitens mit Freude große, oft versteckte, Talente unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es bestätigte sich unsere Erkenntnis, dass Menschen, gerade wenn das Lesen, Schreiben oder Rechnen oft eine Herausforderung ist, bereit sind, sich auf Veränderungen einzulassen und das Neue engagiert zu meistern.

Wir blicken positiv gestimmt in die Zukunft, in dem Wissen, dass jede und jeder eigene Stärken hat, mit denen sie oder er Lösungswege findet. Darum ist es uns in der Basisbildung ein besonderes Anliegen diese Stärken zu fördern.

Kostenlose Kurse in ganz Niederösterreich

Die Basisbildung der BhW Niederösterreich GmbH bietet in fast allen Bezirken kostenlose Kurse für Erwachsene zum Lesen, Schreiben, Rechnen und Computer lernen an.

Die Basisbildung wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie aus Mitteln des Landes NÖ und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert.

 

Autorin: Elisabeth Arzberger
Elisabeth Arzberger ist Basisbildnerin im BhW Niederösterreich seit 2008. Ihr Motto für die Teilnehmenden lautet frei nach Pippi Langstrumpf: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich mir völlig sicher, dass ich es schaffe!“

Quellen:
Grotlüschen, Anke; Buddeberg, Klaus; Dutz, Gregor; Heilmann, Lisanne; Stammer, Christopher (2019): LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität. Pressebroschüre, Hamburg. Online unter:
http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo)
www.wirlesen.org


Analphabetismus in Zahlen für Ö und Dunkelziffer:

15 % der Österreicher und Österreicherinnen bzw. 300.000-600.000 Menschen, die nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können.

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