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Das BhW Niederösterreich wünscht frohe Weihnachten

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Jetzt in dieser besonderen, schwierigen Corona-Zeit,
haben wir im Advent die schöne, frohe Weihnachtszeit,
da gibt es neben dem Leid auch für uns die Freud‘,
auch diesmal vom lieben Christkind für alle Leut‘,
die Weihnachtsbotschaft im hellen Sternenlicht,
vom Stern der heiligen drei Könige – vergiss es nicht.

Gottfried Grabensteiner, BhW Bezirksvorsitzender St. Pölten

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Mit dieser ersten Strophe beginnt das Gedicht „Weihnachten und Zeitgeschenke“ von Gottfried Grabensteiner, BhW Bezirksvorsitzender in St. Pölten. Es berichtet vom Herzensgeschenk Zeit, das ihm als Bildungsehrenamtlichen in diesem Jahr ein besonderes Anliegen war.  Ein Anliegen, das zeigt, wie wichtig zuhören, Angst nehmen und Gespräche sind:

Ob am Gartenzaun, ob am Telefon oder Hauseingang,
plaudern in der Corona-Zeit ganz ohne Zwang.“

Wir sind mit Ehrenamtlichen der BhW Bildungswerke ins Gespräch gekommen und haben sie gefragt, wie sie dieses Jahr 2020 erlebt haben. Welche Möglichkeiten haben sie gefunden, mit der Ausnahmesituation umzugehen? Wie hat sich die Bildungsarbeit verändert und welche Rolle haben digitale Möglichkeiten dabei gespielt? Was hat den Menschen in den Gemeinden am meisten gefehlt?

Augen-Blicke 2020

Wir haben dabei „Augen-Blicke“ gesammelt: Das sind bewusste Blicke in die Augen unserer Mitmenschen. Was zeigen sie? Was sind die Sorgen und Ängste, aber auch die Freuden und Veränderungen in diesem Jahr?

Menschen Perspektiven bieten

„Leider zeigt sich auch in dieser Zeit, dass sich viele Menschen kaum oder gar nicht melden. Man hört und sieht sich seltener. Umso mehr ist es wieder wertvoll, wenn Kontakte gepflegt werden“, beschreibt Gottfried Grabensteiner, wie sehr sich die Kommunikation mit Bildungsinteressierten verändert hat. Die BhW Lernräume blieben leer, wenn Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Das In-Kontakt-Treten war immer begleitet von der Angst, man könnte jemanden anstecken.

Es schwang vielerorts die Sorge mit, es könnte jemand in den Wirren „verloren“ gehen – etwa durch die Verschlechterung der Lebenssituation, die Einsamkeit oder das fehlende Zurechtkommen mit den täglichen Herausforderungen. „Dieses Jahr hat uns gelehrt, dass man sich Zeit nehmen soll, Personen, die man etwas aus dem Auge verloren hat, wieder mal anzurufen oder auf Entfernung mit ihnen zu plaudern, einfach nachzufragen, wie’s geht“, ergänzt Eleonore Wolfinger, Bezirksvorsitzende in Korneuburg, wie wichtig es ihr war, mit den Menschen in ihrem Umfeld in Kontakt zu bleiben.

Andererseits berichtet Heinz Fleckl, Hauptregionsvorsitzender Weinviertel, von einer neu entstandenen Eigeninitiative bei vielen, die sich nicht mit dem Entfall von Bildungs- und Kulturveranstaltungen anfreunden wollten und sich auf die Suche nach Corona-gerechten Möglichkeiten begeben haben: „Bei vielen Bildungsinteressierten ist nicht mehr eine Passivität aufgrund von fehlenden Angeboten spürbar, sondern inzwischen eine Suche nach Alternativen und digitalen Informationskanälen erkennbar.“

Für Andreas Albrecht ist es wichtig, dass sich die Menschen auf den Bildungs- und Kulturveranstaltungen im BhW Altenburg praktisches Alltagswissen mitnehmen können: „Wenn jeder mit einer Erkenntnis nach Hause gehen kann, dann ist es eine gelungene Veranstaltung.“ Besonders fehlten in diesem Jahr die Möglichkeit für soziale Kontakte und auch der kreative Austausch: „Man kann viel virtuell probieren, aber das soziale Beisammensein vermissten die Menschen sehr.“

Wichtig wurde in den Bildungswerken auch das Verbindende in der Gemeinde zu unterstützen und die Ortszentren zu beleben, obwohl man sich dort nicht treffen konnte. Daniela Pletzer vom BhW Haugsdorf organisierte beispielsweise für die Haugsdorfer und Auggenthaler wieder die Adventsfenster als gemeinsames Zeichen der Verbundenheit in der Vorweihnachtszeit im Ort.  

Herausforderung angenommen

Im regionalen Bildungswerk Bucklige Welt thematisierten Edith Tippel und Petra Czerwenka die Veränderungen: „Ob Klimawandel, Migration, Ernährung, Corona oder die Infragestellung demokratischer Strukturen: Die Welt steht gerade vor vielen globalen Herausforderungen. Doch was tun? Augen zu oder doch selbst mit anpacken? Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle.“ Mit Südwind Niederösterreich veranstalteten sie gleich mehrere Webinare zum globalen Lernen und organisierten zu weiteren Themen Online-Veranstaltungen.

Die digitale Bereitschaft wuchs in diesem Jahr enorm – sowohl bei den Bildungsinteressierten als auch bei Referent/innen. Einigen Bildungswerken war es daher ein besonderes Anliegen, auch älteren Menschen einen Zugang zu Online-Veranstaltungen zu vermitteln. Helene Stinakovits, BhW Kottingbrunn, regte gemeinsam mit anderen Bildungsehrenamtlichen eine Handreichung für Referent/innen an, die Senior/innen am Smartphone begleiten. Bis Frühling 2021 entsteht so eine Digitalisierungsmappe, für die neben Helene Stinakovits auch Eleonore Wolfinger, Johannes Berthold, Franz Raab und Peter Schinnerl Anleitungen und Praxistipps erarbeiten.

Auf ein Neues, in ein Neues

Die Zeit ohne Bildungsveranstaltungen nutzten einige Bildungswerke auch dafür, sich neu aufzustellen. In 12 Bildungswerken gab es einen Wechsel an der Spitze und trotz der erschwerten Bedingungen gehen zwölf motivierte, neue Bildungswerkleiter/innen in ein neues Bildungsjahr. Eine von ihnen ist Sandra Gottwald (BhW Burgschleinitz-Kühnring), die schon mehrere Veranstaltungen für 2021 vorbereitet: „Wenn man untätig herumsitzt und nichts plant, ist das auch nichts. Im schlimmsten Fall müssen wir halt wieder absagen, aber dann haben wir es wenigstens probiert.“

Andauern und Müdigkeit

Sah es am Jahresanfang nach nur wenigen Wochen aus, die man überbrücken müsse, stellte sich die Pandemiesituation jedoch bald als Marathon heraus, der gerade im Spätherbst und den Wochen vor Weihnachten anstrengend wurde. Im ersten Halbjahr nutzten offensichtlich viele Ehrenamtliche die Entschleunigung und das schöne Wetter: „Im Frühjahr hatte ich die ersten Wochen genutzt, zur Ruhe zu kommen, mich zu entschleunigen und mit Gartenarbeit auch die nötige Ablenkung gefunden. Nachdem auch die Bibliotheken und Museen vom Lockdown betroffen waren, hatte ich verstärkt über Internet und den digitalen Möglichkeiten Wege gesucht und auch gefunden, virtuell an Meetings teilzunehmen. Konkret habe ich in dieser Zeit für mich die Genealogie wiederentdeckt und zahlreiches Wissen über Archive und viele praktische Hinweise darüber von einigen erfahrenen Forschern in virtuellen Stammtischen erhalten“, blickt Heinz Fleckl zurück.

Gemeinsam, sozial und solidarisch

„Die Bildungsschere klafft zunehmend auseinander“, beobachtet Johannes Berthold, BhW Gaweinstal. „In der Bildungsarbeit ist es wichtig, dass wir uns damit auseinandersetzen, wie wir eine zunehmende Spaltung in der Gesellschaft verhindern können.“

In diesen Tagen kurz vor Weihnachten und dem Jahresende 2020 sehen wir eines sehr klar: Nur mit gemeinsamer Achtsamkeit, mit Solidarität und sozialem Handeln kommen wir weiter durch die Krise. Schauen wir also in diesen Tagen bewusst in die Augen unserer Mitmenschen und unsere eigenen Augen. Genießen wir die stille Zeit in diesem Jahr mit innerer Einkehr und Achtsamkeit. Aus dem BhW Niederösterreich wünschen wir Ihnen von ganzem Herzen: Besonders frohe Weihnachten und leuchtende Augen.

© Stefan Körber- AdobeStock.com

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