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Mit Freude geht alles viel leichter

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Österreichs bekannteste Schauspielerin Waltraut Haas feiert ihren 90. Geburtstag. Im BhW-Gespräch redet sie über Frieden, ihre Erfolge und über die aktuelle Situation.

Vorweg Gratulation zum Geburtstag, verbunden mit den besten Wünschen. Was bewegt Sie in diesen Tagen ganz besonders?

Waltraut Haas: Die Feierlichkeiten und die Aktivitäten rund um den 90er sind schon etwas Besonderes und laden mich noch mehr ein, innezuhalten. Ich bin dankbar für so viele schöne Dinge und spüre große Freude.

Blicken Sie auch manchmal mit Wehmut zurück?

Ich denke an die Zeit, wo mein geliebter Erwin noch da war und er fehlt mir schon sehr. Aber ich habe ganz großes Glück, den Marcus zu haben. Aktuell spiele ich im Gloria Theater das Stück „Der Himmel auf Erden“. Für mich ist mein Sohn der Himmel auf Erden. Wenn er nicht da wäre, dann hätte ich wahrscheinlich nicht so viel Freude am Leben.

Freude bereiten Ihnen natürlich auch die vielen Reaktionen der Fans. Wie kann man sich das im Alltag vorstellen?

Ich bekomme nach wie vor viele Zuschriften aus Österreich, Deutschland und sogar Post aus Amerika ist dabei. Fans, die noch immer gerne meine Filme sehen. Ich freue mich, wenn mich die Leute ansprechen. Dieser Tage ist die Garderobendame zu mir gekommen und hat mir ausgerichtet, dass eine Frau unbedingt mit mir nach der Vorstellung knuddeln möchte. Ich habe nicht einmal gewusst, was das ist und wir mussten beide lachen, denn sie hat mir das mit „Umarmen und Abbusseln“ übersetzt. Das geht mir dann schon zu weit, wenn es fremde Menschen sind. Aber Hand geben, Worte wechseln bis hin zum Fotografieren, zu dem man neuerdings „Selfie“ sagt (lacht hellauf), mache ich gerne.

Wo Waltraut Haas auftritt, hängt meist nach einigen Tagen das Schild „ausverkauft“. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Es ist ein Geschenk, wenn die Leute einen mögen und die Leute spüren, dass ich sie mag. Bescheidenheit ist dem Publikum ganz wichtig und den Kollegen, dass man sich mitfreut und nicht neidisch ist.

Sie spielen jedes Jahr regelmäßig bei mindestens zwei Produktionen mit. Vor zwei Jahren sogar 60 Vorstellungen in Deutschland. Wie tun Sie sich mit dem Text lernen?

Ich lerne eigentlich nicht sehr leicht, aber vormittags eine Stunde und am Nachmittag eine Stunde, solange, bis ich den Text kann. Wenn man etwas mit Freude macht, dann geht es viel leichter von der Hand und ich habe nie Rollen gelernt, weil ich sie spielen musste, sondern ich habe immer geschaut, dass es für mich passt und darum wurde es gut.

Wie sieht die Zeit nach der Vorstellung aus?

Ich habe jetzt manchmal eine Nachmittags- und Abendvorstellung. Bin zwar dann müde, aber ich freue mich, wenn ich nach der Vorstellung daheim sitze und mich wohl fühle. Ich drehe den Fernseher auf, mein Hund sitzt neben mir, schaut mich an und gibt mir immer wieder Bussis.

Sie leben in Wien, aber trotzdem haben Sie eine sehr enge Beziehung zu Niederösterreich.

Niederösterreich ist für mich meine zweite Heimat und ich habe auch dort mit 17 Jahren das Glück gehabt, die Rolle der Mariandl zu spielen. Der Willi Forst hat mich damals bei einem Vorstellungsgespräch entdeckt. Ich hatte ein Engagement in Linz am Theater, bin mit einem LKW sieben Stunden in Eiseskälte nach Wien mitgefahren. In Enns mussten wir aufgrund der Russen drei Stunden warten, aber ich bin dann gut angekommen und wurde zu Probeaufnahmen eingeladen. Das Filmmaterial war übrigens furchtbar. Meine echten blonden Haare kamen schneeweiß und ich sah viel älter aus. Daher wurden sie rot eingefärbt, dass sie im Film blond kamen.

Sie haben mit Paul Hörbiger, Juppie Heesters und Hans Moser zusammengespielt. Wer hat Sie am meisten geprägt?

Ganz eindeutig Hans Moser, denn er hat mir mit 17 Jahren Schutz gegeben „dass der Kleinen nichts passiert und man sie in Ruhe lässt“. Da mein Vater, als ich fünf war, gestorben ist, war Hans Moser bis zum Schluss wie ein Vater für mich.

Sie haben den zweiten Weltkrieg hautnah erlebt. Was ist Ihr Blick zurück?

Wir können froh sein, dass wir seit sieben Jahrzehnten in einem friedlichen Land leben. Meine Mutter und ich hatten großes Glück, denn neben uns schlug eine Bombe ein. Bei den Bombenangriffen saß ich oft im Keller und habe „Schatz im Silbersee“ von Karl May gelesen.

Sie haben in Ihrem Leben so viele Auszeichnungen erhalten. Was ist für Sie die größte Auszeichnung?

Die größte Auszeichnung für mich ist, dass ich gesund bin, dass ich meinen schweren Sturz überlebt habe und obwohl ich darunter noch leide (Halswirbelbruch), habe ich noch immer das Glück, auf der Bühne zu stehen.

Kommen wir zu anderen Verletzlichkeiten. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Schlechte Kritiken habe ich manchmal als ungerecht empfunden, bald darauf wieder vergessen und eines ist klar, man kann nicht allen Menschen gefallen. Einem Kritiker muss man seine Meinung lassen und die wirklich guten Journalisten hauen sicher nicht ungerechtfertigt drauf.

Sie tragen auch den Ehrentitel „Königin der Wachau“.

Ich liebe die Wachau und wenn ich das Stift Göttweig und die Donau sehe, dann denke ich mir immer „Jetzt komme ich nach Hause“. Ein Bürgermeister hat zu mir immer gesagt, ich sei die „Prinzessin der Wachau“. Ich fragte ihn dann, warum er mich degradiert und seine Antwort: „Weil eine Prinzessin ewig jung bleibt“.

Was bewegt Sie aktuell, wenn Sie die Politik beobachten?

Natürlich ist viel im Umbruch, es geht uns gut und wir dürfen nicht immer mehr wollen. Die Flüchtlingssituation macht mir schon Sorgen. Man muss schauen, dass man nicht mehr Leute aufnimmt, sondern eher danach trachten, dass man die Menschen, die da sind, integriert.

Die Politik in den USA verfolgen Sie auch?

Nicht sehr intensiv, aber Herr Trump wird an seinen Taten und nicht an seinen Worten gemessen. Seine Arroganz mag ich überhaupt nicht.

 

BhW-Wordrap

Lieblingsbuch          
Als ich ein junges Mädchen war, habe ich ein Buch gelesen, wo es um einen jungen Menschen ging, der sich trotz körperlicher Unterentwicklung behauptet hat. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.

Bildung                 
Wenn man beobachtet, hört, spricht und neugierig ist und bleibt, dann lernt man am meisten.

Fitness                  
Jeden Tag mache ich in der Früh meine Übungen und es tut ganz einfach gut.

Führerschein           
Seit ich nach meinem Sturz zwei Schrauben im Hals habe, weine ich dem Auto nach und das Auto weint mir nach.

Marcel Hirscher       
Ich bin ein Fan von ihm und schau‘ mir viele Rennen an. Ich mag aber auch Tennis. Schade, dass Dominic Thiem beim Tennis jetzt in Rom ausgeschieden ist.

Landeshauptfrau      
Der Erwin ist ein ganz lieber Freund und die Hanni mag ich auch sehr. Beide sind nicht arrogant. Man kann mit ihnen gut reden.

Conchita               
Ich freue mich, sie, oder sagt man ihn, kennenzulernen. Wir haben demnächst in einer Fernsehsendung einen gemeinsamen Auftritt.

Gartenarbeit           
Der Gärtner macht die Grobarbeit. Machte ich früher gerne. Jetzt zupfe ich manchmal ein bisschen Unkraut oder beschneide verblühte Blumen. Der Gärtner macht die Grobarbeit.

Gottes Segen         
Ganz wichtig und ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre bleiben darf.

Lebensmotto          
Positives Denken

 

Waltraut Haas, geboren am 9. Juni 1927.
Vater Volksschullehrer, Mutter Wirtin im „Stöckl“ Schloss Schönbrunn.
Während des Krieges absolvierte sie die Modeschule, danach Schauspiel- und Musikunterricht am Konservatorium Wien.
Über 80 Filme, die bekanntesten: „Hofrat Geiger“, „Im weißen Rössl“ und hunderte Bühnenrollen.
Aktuell: Gloria Theater „Der Himmel auf Erden“ (bis Ende Juni), Wachaufestspiele Weißenkirchen „Der Hofrat Geiger“ (1. bis 10. September).

Waltraut Haas "Mit Freude geht alles viel leichter"

Waltraut Haas "Mit Freude geht alles viel leichter" - Foto: Franz Baldauf

Waltraut Haas, Martin Lammerhuber

Waltraut Haas, Martin Lammerhuber - Foto: Franz Baldauf

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