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BhW exklusiv Toni Innauer

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Olympiasieger Toni Innauer hat im Laufe seiner Karriere als Trainer und Sportdirektor bewiesen, wie man verkrustete Strukturen nachhaltig verändern kann. Gemeinsam mit dem bekannten Neurobiologen Gerald Hüther gab er einen Einblick über Potenzialentfaltung, Persönlichkeitsstärkung und wie Bildung das Leben bereichert. Im aktuellen Schaufenster-Interview der Kultur.Region kann man unter anderem nachlesen, was man vom Sport lernen kann.


BhW-Interview mit Toni Innauer:  "AM DENKEN UND TUN ARBEITEN"

Toni Innauer, Skispringer und Olympiasieger, Autor und Vortragender, Trainer und Sportdirektor des ÖSV, im Gespräch mit Martin Lammerhuber über Bildung, Neugierde und was vom Sport zu lernen ist.

Toni Innauer, die Skispringerkarriere hat vor über 40 Jahren begonnen. Kommt dir die Zeit wirklich schon so lange vor oder ist sie wie im Flug vergangen?

Innauer: Es gibt immer zwei Perspektiven. Einerseits hat man das Gefühl, wenn man, so wie ich, immer wieder über seine Vergangenheit reden darf oder muss, dass das alles nicht so lange her ist. Aber es genügt der Blick auf die eigenen Kinder oder Enkelkinder, und dann merkt man, dass eine gehörige Portion an Jahren vergangen ist.

Es ist nicht vielen Sportlern geglückt, dass sie sich über den Olympiasieg, über Medaillen und Erfolge hinaus etwas erarbeitet haben. Sprich: der Kluge, der Intellektuelle, der Vortragende, der Visionär etc. Bist du eine Ausnahmeerscheinung in Österreich?

Innauer: Es gibt einen Niki Lauda und es gibt Sportlerinnen und Sportler, die wirklich Großartiges in ihren Bereichen leisten. Meine Generation wusste, dass im Sport nicht so viel zu verdienen ist, um davon leben zu können. Da heißt es früh genug aufhören und eine Ausbildung machen. Armin Kogler, Hubert Neuper, Karl Schnabl oder Alois Lipburger, der leider nicht mehr lebt, sind da zu nennen. Wir waren die erste Generation, die das Skigymnasium Stams absolvierte. Ich war kein Intellektueller, als ich als Sportler aufgehört habe. Aber ich war immer aufgeweckt und neugierig. Ich bin nicht aus Langeweile studieren gegangen, sondern weil ich wollte. Es gab einiges zu vertiefen und aufzuarbeiten. Ich habe vor allem auch Referenzwerte gehabt aus meiner intensiven, gründlichen, wenn auch einseitigen und scheuklappenmäßigen Tätigkeit im Spitzensport. Mit dem Studium hat das eine interessante Kombination ergeben.

Du hast die Neugierde angesprochen. Wir haben einen Bildungsbereich, in dem es um das lebensbegleitende, lebenslange Lernen geht. Warum scheitert es manchmal am lebenslangen Lernen, das genau in der Phase zwischen 35 und 50 so wichtig wäre?

Innauer: Wenn man einmal aufhört, wird es schwieriger, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wie der Hirnforscher Gerald Hüther sagt, strengt sich das Hirn nicht so gerne an. Es sucht eigentlich Frieden und die Kohärenz, dass alles zusammenpasst. Mich haben immer viele andere Dinge interessiert. Ich war deshalb auch ein unbequemer Geist, da ich immer wieder abseits des Skisports geschaut habe, was sich da tut. Das hat damit zu tun gehabt, dass ich quasi berufsbegleitend zu studieren begonnen habe.

Es geht darum, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Innauer: Ja, sicher. Es sind unsere Gewohnheiten, unsere Rituale und all die Dinge, die man entweder zulässt oder zwischendurch hinterfragt. Es gibt da einiges aus dem Sport zu lernen: Wenn ich eine Bewegungstechnik oder Ähnliches ändern möchte, ist das langwieriger, als ich das gern hätte. Wenn ich im Leben wirklich etwas ändern will, kann ich nicht einfach nur kurz eine Entscheidung treffen und glauben, dass es das jetzt war. Da passiert gar nichts. Ich muss wirklich hart an meinem Denken und an meinem Tun arbeiten.

Zu deiner Geschichte: Du kommst aus Bezau in Vorarlberg. Du bist dann in die weite Welt gezogen, warst international unterwegs, wohnst jetzt in Thaur. Wie siehst du das Spannungsfeld zwischen Stadt und Land? Spürst du das Spannungsfeld betreffend die Bildungsfragen zwischen Stadt und Land?

Innauer: Ich glaube, dass man das nicht bestreiten kann, dass Städte, und vor allem Universitätsstädte, logischerweise attraktiv sind und begabte und interessierte Leute anlocken. Andererseits haben wir in unserem Bildungssektor auch einen übertriebenen Zug zu sagen, jeder muss Matura machen, jeder sollte nach Möglichkeit eine akademische Ausbildung machen, um die akademische Quote zu heben. Das erscheint mir übertrieben. Menschen, die eine handwerkliche Ausbildung haben, geht es in den ländlichen Regionen finanziell teilweise wesentlich besser als Leuten mit akademischen Ausbildungen, mit denen sie nicht so leicht einen Job finden. Teilweise beneidet uns auch das Ausland um unsere duale Ausbildung – nicht zu Unrecht, weil wir hier Qualität bieten. Gerade der Bregenzerwald, aus dem ich komme, ist ein gediegenes Beispiel dafür, dass man dem schon gegensteuern kann und dass da sehr tolle Strukturen noch intakt sind.

Woran scheitert es, dass wir Kindern und Jugendlichen nicht verstärkt Raum geben, sie einladen zum Zuhören? Weil wir mit der Politik, der Männerdominanz etc. aufgewachsen sind?

Innauer: Schon Platon hat gesagt: „Sobald man sich mit den Jugendlichen zusammensetzt und ihnen nach dem Mund redet, ist die Gesellschaft auch nicht mehr in Ordnung, weil wir Erwachsenen doch mehr Erfahrung haben.“
Meiner Meinung nach besteht die Gefahr, dass man Jugendliche sehr schnell für andere Zwecke manipulieren kann, weil sie noch nicht so reif sind und in ihrem Urteilsvermögen noch nicht so weit sind. Und wenn man sie dann aufs ganz hohe Ross setzt und sagt, dass sie schon wissen, wie alles geht und gehen soll, dann ist das auch nicht der richtige Weg. Als ich in Innsbruck zu studieren begonnen habe, gab es eine Sitzung, und die höheren Semester haben sich alle wahnsinnig aufgeregt: „Ihr seid die Jungen, ihr müsst jetzt denen sagen, was ihr wollt.“ Aber ich wusste nicht, was ich wollte. Ich wollte einfach anfangen zu studieren. Dass ich ihnen hätte sagen sollen, wo es jetzt hingehen soll, da fühlte ich mich überfordert.  /


Interview: Martin Lammerhuber, erschienen im "schaufenster Kultur.Region" Dezember-Ausgabe

Toni Innauer, geb. 1958 in Bezau/Bregenzerwald; Skispringer, Olympiasieger, absolvierte das Lehramtsstudium für Philosophie/Psychologie und Sport, Erfolgstrainer, Sportmanager und Philosoph, freier Autor und Sportexperte.

 

BhW-Wordrap

Niederösterreichbezug
übers Fliegenfischen in der Gölsen, in der Pielach, in der Schwarzach. Niederösterreich ist für mich ganz anders als Vorarlberg. Es ist viel größer, es ist viel mehr Platz, die Leute sind gemütlich, es gibt einen Wein.

Kultur
Ich finde, dass jede Tätigkeit, die der Mensch mit Hingabe und auf hohem Niveau macht, den Anspruch erheben kann, dass sie Kultur ist. Insofern kann Spitzensport Kultur sein.

Haltungsnoten
Wir brauchen auch inneren Halt. Das müssen wir uns selber schaffen.

Vernetzung
Vernetzung war nie meine ganz große Stärke. Weil ich Menschen grundsätzlich mehr schätze und lieber mag als früher – als junger, überforderter Sportler –, ergeben sich automatisch Vernetzungen, ohne dass ich das systematisch betreibe.

Material
Es gibt einen alten Spruch für Seniorensportler: „Es sollte dir nichts weh tun, wenn du gutes Material hast.“

Gendern
Es war wichtig, dass man sich dafür stark gemacht hat. Grundsätzlich ist es manchmal mühsam, weil es einen Text fast unlesbar macht. Man kann es übertreiben, wie alles.

vlnr. Toni Innauer, Gabriele Hofer-Stelzhammer, Gerald Hüther, Martin Lammerhuber - Foto (c) Kainrath

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